Künstliche Intelligenz im Tourismus: Zwischen Hoffnung, Hype und Realität
In der neuen Folge von „Next Stop: Future“ sprechen wir mit Alexander Mirschel über die aktuellen Entwicklungen von KI in der Tourismusbranche. : Wo steht die Tourismusbranche beim Einsatz von KI?
Wer aktuell durch die sozialen Medien scrollt, bekommt schnell das Gefühl: KI ist überall. Vor allem generative KI (GenAI) steht im Rampenlicht – Tools, die selbstständig Texte, Bilder oder sogar Musik generieren. Aber wie viel von diesem Hype kommt tatsächlich schon in der touristischen Praxis an?
Alex Mirschel sieht eine differenzierte Entwicklung: Während Content-Erstellung und einfache Automatisierungen bereits Einzug in viele Arbeitsbereiche gefunden haben, bleibt der echte strukturelle Wandel oft noch aus. Der Fokus liegt bisher auf drei Bereichen:
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Content-Erstellung, vor allem in der externen Kommunikation,
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Kundenservice und Dialogformate, zunehmend auch via Voice,
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Wissensmanagement, als Reaktion auf den Fachkräftemangel und drohenden Wissensverlust.
Schatten-KI: Grauzone
Spannend: Viele Mitarbeitende nutzen KI längst – allerdings oft inoffiziell, auf privaten Geräten, ohne Strategie oder Governance. Der „Wildwuchs“ an Schatten-KI zeigt: Die Bereitschaft ist da, das Bewusstsein in der Führungsetage oft (noch) nicht.
Dabei liegt gerade hier enormes Potenzial. „Wir sehen eine riesige Chance darin, dass Mitarbeitende aus Eigeninitiative mit KI arbeiten“, betont Mirschel. Das Problem: Ohne klare Regeln, Plattformen oder Schulungen wird aus dieser Chance schnell ein Risiko – etwa für Datenschutz oder Markenkommunikation.
Führung, Kultur & Mut zur Veränderung
Was also bremst? Die Antwort ist wenig überraschend: Unternehmenskultur und Führung. Wer KI nur als technisches Tool versteht, wird scheitern. Es braucht Offenheit, Fehlerkultur und klare Kommunikation – vor allem von der Führungsebene.
Denn: KI ist kein kurzfristiger Trend wie das Metaverse. Sie verändert unsere Arbeitswelt dauerhaft – von der operativen Ausführung hin zu beratenden, steuernden Rollen. Unternehmen, die das ignorieren, laufen Gefahr, abgehängt zu werden. Nicht nur auf Anwendungsebene, sondern auch bei der Entwicklung und Wertschöpfung.
Generative KI, wie ChatGPT, ist fast in jedem Unternehmen im Einsatz. Nur oft wissen es die Unternehmen nicht und auch nicht, wohin ihre Daten fließen.
KI braucht Strategie
Die Entwicklung schreitet rasant voran – und viele Unternehmen haben weder die Ressourcen noch das Know-how, Schritt zu halten. Was es jetzt braucht:
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Strategie statt Aktionismus
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Interne Weiterbildungen und Talentscouting
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Neue Rollenprofile – wie AI-Success-Manager oder interne KI-Champions
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Offene Kommunikation über Chancen UND Ängste
Denn wer KI versteht und gezielt einsetzt, kann Prozesse neu denken statt nur digitalisieren. Es geht nicht darum, das Analoge 1:1 in digitale Tools zu überführen, sondern Altes loszulassen – und neue Wege zu gehen.
Menschlichkeit zurückgewinnen – durch KI?
Ein vielleicht überraschender Punkt zum Schluss: KI kann auch helfen, wieder mehr Menschlichkeit ins Unternehmen zu bringen. Indem sie repetitive Aufgaben übernimmt, schafft sie Freiraum für persönliche Gespräche, empathischen Kundenkontakt und echte Kreativität. Ein Manager, der mithilfe eines KI-Avatars Standardanfragen beantwortet, hat mehr Zeit für seine Mitarbeitenden.
Fazit: Die Zukunft wird hybrid – aber nicht von allein
KI ist gekommen, um zu bleiben. Wer sich frühzeitig damit auseinandersetzt – nicht nur technisch, sondern auch kulturell –, verschafft sich einen Vorteil. Wer abwartet, riskiert den Anschluss.
Der Tourismus muss sich dieser Herausforderung stellen. Es geht nicht um Ersetzen, sondern um Erweitern. Nicht um Kontrollverlust, sondern um neue Gestaltungsspielräume. Und nicht zuletzt um eine Branche, die innovativ, menschlich und zukunftsfähig bleibt.
Hier gibt es die Folge zum Hören.
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