In unserer aktuellen Podcast-Folge nehmen wir, Catharina Fischer und Anja Kirig, ein Phänomen unter die Lupe, das uns in letzter Zeit immer häufiger begegnet: „Residence Only“ oder was passiert, wenn Touristinnen draußen bleiben sollen?

In zahlreichen beliebten Reisezielen wächst der Druck auf öffentliche Räume, Infrastruktur und Alltagsroutinen. Der Trend zu „Residents Only“-Zonen, also Bereichen oder Zeitfenstern, die ausschließlich Einheimischen vorbehalten sind, rückt damit stärker in den Fokus der Tourismusdebatte.
Es ist Ausdruck eines global erkennbaren Musters: Anwohnende reagieren auf Overtourism und fordern “ihren” Raum zurück. Das Phänomen zeigt, wie sich Lebensqualität, touristische Nachfrage und Raumplanung zunehmend miteinander verschränken und wie Nutzungskonzepte neu verhandelt werden müssen.

Lokale Regulierungen als Reaktion auf Überlastung
Ein Beispiel findet sich auf der Hawaiianischen Insel Maui. Der Wasserfall-Spot Twin Falls führte einen Residents Day ein, der ausschließlich Personen mit hawaiianischem Führerschein vorbehalten ist. Diese Maßnahme soll Übernutzung reduzieren und den Ort zumindest zeitweise wieder zu einem Ort der lokalen Bevölkerung machen. Obwohl der Tourismus nicht ausgeschlossen wird, entsteht ein klarer Rahmen, der dazu beiträgt die lokale Tourismusakzeptanz wieder zu erhöhen. Solche Eingriffe können als Instrumente der Besucherlenkung verstanden werden, nicht als generelle Restriktion.

In Venedig verfolgt die Initiative Poveglia per tutti einen alternativen Ansatz. Nach langjährigem Engagement erhielt sie die Konzession für einen Teil der Insel, um dort einen regulierten Freiraum zu schaffen, der vor allem Bewohner:innen dienen soll, aber grundsätzlich für alle offen bleibt. Das Modell zielt darauf ab, Massentourismus zu vermeiden und gleichzeitig einen sozial verträglichen Zugriff auf die Ressource Raum zu ermöglichen.

Auf Menorca wurde in Binibeca Vell ein zeitlich begrenzter Zugang für Tourist:innen eingeführt. Das Wohnviertel, das jährlich Hunderttausende Besucher:innen anzieht, ist nur noch zwischen 11 und 20 Uhr zu besichtigen. Außerhalb dieser Zeiten bleibt der Bereich der lokalen Bevölkerung vorbehalten. Die Maßnahme reagiert auf Nutzungskonflikte zwischen Wohnraum und touristischer Attraktivität und zeigt, wie stark räumliche Steuerung in urbanen Kontexten an Bedeutung gewinnt .

Auch auf Mallorca protestieren lokale Bürgergruppen lautstark gegen die aktuelle Form des Tourismus und für mehr nicht-touristische Räume. Einige fordern unter anderem locals-only-Strände. Die Debatte dreht sich nicht nur um Overtourism, sondern auch um langfristige Entwicklungen wie Wohnungsmarktveränderungen und steigende Infrastrukturkosten. Diese Proteste sind Teil einer breiteren Bewegung, die eine Balance zwischen Tourismus und alltäglicher Lebensrealität einfordert .

Da stellt sich am Ende des Tages die Frage: Wem gehört der Raum eigentlich? Und wie kann er so genutzt werden, dass unterschiedliche Anspruchsgruppen darin gut leben und sich bewegen können?

Catharina Fischer

Wenn Reaktionen Strategien ersetzen
Im Kern zeigen alle Beispiele, dass „Residents Only“-Maßnahmen selten Teil langfristiger strategischer Tourismusplanung sind. Sie entstehen meist als unmittelbare Reaktion auf wahrgenommene Überlastung oder auf fehlende integrierte Besucherlenkungsstrategien. Sie markieren Grenzen, die erst dann sichtbar werden, wenn Destinationsmanagement, Raumplanung und lokale Interessen nicht ausreichend miteinander verzahnt sind. Klassischen Tourismusorganisationen, die an Management und Marketing orientier sind, kommen hier an ihre Grenzen.

Warum Destinationsmanagement neu gedacht werden muss
Zentral wird daher die Weiterentwicklung hin zu einem umfassenden Lebensraummanagement. Dazu gehören datenbasierte Entscheidungen, kooperative Planungsprozesse und eine klare Definition, wie touristische und lokale Nutzung zusammenspielen sollen. Zukunftsorientiertes Destinationsmanagement muss zunehmend zu einer Schnittstellenfunktion zwischen Tourismus, Stadt- bzw. Regionalplanung, Nachhaltigkeit und Alltagspraxis werden. Besucherlenkung, Transparenz und Beteiligung sind dabei Schlüsselkomponenten.

Die übergeordnete Frage lautet: Wie lässt sich Tourismus so gestalten, dass sowohl Reisende als auch Einheimische dauerhaft profitieren? Residents-Only-Zonen können kurzfristige Entlastung schaffen, lösen aber nicht die strukturelle Herausforderung, touristische Nachfrage, ökologische Belastbarkeit und soziale Verträglichkeit miteinander zu verbinden. Entscheidend wird sein, wie früh Destinationen reagieren und welche Instrumente sie einsetzen, um Überlastung vorzubeugen, statt nur darauf zu reagieren.

Was der “Residents-Only” für die Zukunft des Reisens bedeutet
Der Trend zeigt damit nicht nur eine Verschiebung im aktuellen Tourismusgeschehen, sondern verweist auf die zukünftige Entwicklung des Reisens insgesamt. Mit steigender globaler Mobilität, zunehmender Klimadynamik und veränderten Reisegewohnheiten entsteht ein Bedarf an fein austarierten Strategien. Die Beispiele aus Maui, Venedig, Menorca und Mallorca sind frühe Indikatoren dafür, dass Destinationen weltweit ihre Governance über Raum und Zugang neu definieren müssen.

Wie ist Eure Pespektive auf das Residents-Only-Phänomen? Lösung oder zu kurzfristig gedacht? Erzählt es uns gerne!
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