Was verstärkt sich 2026? Wo brauchen wir neue Antworten? Und wo müssen wir vielleicht endlich andere Fragen stellen? 

Zum Jahresabschluss werfen wir einen Blick zurück auf die vergangenen zwölf Monate und 23 Podcast-Folgen. Zehn zentrale Aspekte daraus beschäftigen uns besonders – Themen, die uns auch 2026 in zahlreichen Gesprächen, Analysen, Vorträgen und Strategien weiterhin begleiten werden.

1) „Residents Only“ ist mehr als ein Protest-Slogan – es ist eine Raumfrage

Der erste Impuls kommt aus der direkten Gegenwart (Folge 47) und ist ein ziemlicher Reality-Check: Wenn Bewohner*innen sagen „bis hierhin und nicht weiter“, dann geht es nicht um Image-Kosmetik, sondern um Macht, Zugang und Grenzen. Die Frage dahinter ist simpel und hat es gleichzeitig in sich: Wem gehört der Raum?

Was wir daraus mitnehmen: Visitor Economy braucht 2026 noch stärker klare Aushandlungsprozesse, Besucherlenkung, Kommunikationsstrategien – und den Mut, Konflikte nicht zu „managen“, sondern ehrlich zu bearbeiten.

2) Vom Destinationsdenken zum Lebensraumdenken

Eng verbunden damit ist Impuls zwei: Lebensraum statt Destination. Das ist kein Buzzword, sondern ein Perspektivwechsel weg vom reinen Marketingauftrag hin zur Frage: Wie kann Tourismus dazu beitragen, Lebensqualität zu erhöhen? Für Einheimische genauso wie für Gäste.

Das verändert auch die Rolle von DMOs: weniger Kampagne, mehr Systemarbeit. Mehr langfristige Begleitung, mehr Kooperation, mehr „Qualität statt Quantität“ und wir benötigen definitiv andere Kennzahlen, die diesen Anspruch überhaupt messen können.

3) Krisen verändern die touristische Landkarte – dauerhaft

Klimakrise, wirtschaftliche Krise, politische Krise: Wir sehen nicht „eine“ Krise, sondern Überlagerungen (Folge 37). Und die Konsequenz ist ziemlich direkt: Krisen verändern, wohin Menschen reisen (siehe Folge 40), wie sie reisen außerdem, ob sie sich Reisen überhaupt noch leisten können.

Das ist kein kurzfristiger Ausschlag, den man „aussitzt“. Es ist eine strukturelle Verschiebung, eine Aufforderung an die Branche, Verantwortung nicht nur zu kommunizieren, sondern zu übernehmen: als geteilte Verantwortung von Politik, Unternehmen und Konsument*innen.

4) Nachhaltigkeit ist Standard – regeneratives Denken entscheidet über Zukunftsfähigkeit

Wir sagen es bewusst so deutlich: Nachhaltigkeit sollte kein Differenzierungsmerkmal mehr sein. Der spannendere Teil ist die Frage, was danach kommt – und ob wir bereit sind, systemischer zu denken. Regeneratives Denken verstehen wir dabei nicht als „Nachhaltigkeit war gestern“, sondern als Weiterentwicklung: weg vom Add-on, hin zum Umbau von Logiken.

Wichtig: Regeneration ist keine Blaupause. Sie muss ins jeweilige System der Organisation, Destination, des Unternehmens passen. Und es braucht Mut: nicht nur Schäden zu reduzieren, sondern aktiv Positives zu schaffen (Handabdruck statt nur Fußabdruck).

5) Zukunftsnarrative brauchen Möglichkeitsräume, sie sind kein Clickbait

Ein Punkt, der uns wirklich umtreibt: Wie über Zukunft gesprochen wird. Denn wer über Zukunft kommuniziert, entscheidet mit, wie die Zukunft wird, wer sich angesprochen fühlt und wer sich abwendet. Zwischen Buzzwords, „Keulen“ und Algorithmuslogik bleibt oft wenig Raum für das, was wir dringend brauchen: konstruktive Perspektiven, kritische Dialoge und Handlungsfähigkeit.

Unsere Position: Wir müssen (wieder) aushalten, dass es keine einfachen Lösungen gibt und gleichzeitig dennoch handlungsfähig bleiben. Wir benötigen andere Zukunftsnarrative, eine allgemeine Zukunftskompetenz, in der Möglichkeitsräume erfahren und ausgehandelt werden können statt fertiger Antworten geliefert.

6) KI ist nicht das Problem, sondern unser Umgang damit

KI ist längst da. Die spannende Frage ist nicht „ob“, sondern „wie”: Welche Prozesse werden automatisiert? Welche Entscheidungen werden beschleunigt? Und was passiert, wenn wir schlechte Strukturen einfach nur schneller machen? (Spoiler: Dann haben wir am Ende immer noch schlechte Strukturen.)

Für 2026 heißt das: Change Management, Qualifizierung, Governance. Und vor allem: aktive Gestaltung statt Nicht-Auseinandersetzung.

7) Future Rejection ist real und betrifft das Hier und Jetzt

Wenn Menschen Zukunft verweigern („betrifft mich nicht“, „versteh ich nicht“, „macht mir Angst“), dann ist das nicht nur eine Haltung zur Zukunft. Es ist auch eine Verweigerung gegenüber dem Jetzt da Zukunft immer im Heute entsteht.

Unser Gegenmittel ist kein naiver Optimismus, sondern etwas, das wir sehr ernst nehmen: eine zeitlose Neugier – als Haltung, die offen hält, ohne zu überfordern. Mehr dazu erfahrt Ihr in Folge 44.

8) Das Ende der Drei-Phasen-Biografie – Zukunft wird in Übergängen gelebt

Ausbildung – Arbeit – Rente: Dieses Modell bröckelt. Nicht für alle gleich, nicht überall, aber deutlich genug, dass wir es ernst nehmen müssen. Wir leben mehr Übergänge: Neuorientierung, Pausen, Quereinstiege, lebenslanges Lernen. Und gleichzeitig hängen viele Systeme (Soziales, Bildung, Unternehmen) noch am alten Raster.

Spannend fanden wir dabei besonders einen Gedanken: Sicherheit entsteht heute weniger durch Status, sondern stärker durch Anpassungsfähigkeit. Mehr dazu in Folge 45.

9) Longevity & Prävention: Wir wollen nicht nur länger leben, sondern länger gut leben

Longevity wird oft als Trend verkauft. Wir sehen darin eher eine tiefere Verschiebung: Der Fokus geht von Lebensverlängerung zu Lebensqualität. Und Prävention wird (potenziell) zur zentralen Zukunftsinvestition – gesellschaftlich und wirtschaftlich.

Darin steckt „viel Musik“: neue Arbeits- und Ruhestandsmodelle, neue Angebote im Tourismus, neue Infrastrukturen und auch die Frage nach Qualität und Evidenz in einem wachsenden Markt, der nicht nur aus sinnvollen Lösungen besteht.
Und es beeinflusst auch die gesundheitstouristischen Märkte (Folge 27).

10) Zukunft entsteht nicht aus Tools, sondern aus Haltung, Design und Legacy

Tools helfen. Methoden helfen. KI kann helfen. Aber Zukunft entsteht nicht durch das Tool selbst, sondern durch Haltung und durch die Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen und eine Legacy zu hinterlassen. Dafür benötigt es auch von Beginn an Kommunikationsdesign, wie uns Simone Leitenberger in Folge 39 erläutert.

Und dazu gehört auch die Frage, die wir viel zu selten stellen: Was wollen wir nicht hinterlassen? Dinge bewusst zu beenden, nicht weiterzuführen, sondern loszulassen kann ein sehr positiver Teil von Zukunft sein.

Wie ist Eure Pespektive auf 2026? Erzählt es uns gerne!
🎧 Hier könnt Ihr die gesamte Folge hören.
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