In unserer neuen Podcastfolge sprechen wir, Catharina Fischer und Anja Kirig, über die Zukunft des Sports, über Inklusion, Diversität und darüber, welches Transformationspotenzial im Sport für unsere Gesellschaft steckt. Gemeinsam mit Katja Lüke, Referentin im Ressort Diversity des DOSB und Sportkommunikator und Diversity-Experte Daniel Schmidt diskutieren wir Sichtbarkeit, strukturelle Veränderungen und konkrete Perspektiven für den Sport der Zukunft.
Unsere beiden Gäste:
Katja Lüke, Diversity Referentin im DOSB, seit 11 Jahren im Ressort Diversity. Zudem gibt sie als “Eine Welt der Vielfalt“-Trainerin Workshops und moderiert barrierefreie Veranstaltungen. Als Handbikerin hat die Rollstuhlfahrerin an vielen Marathon in deutschen Städten und Rennen außerhalb Deutschlands teilgenommen. Ihren Lieblingssportverein hat sie als Rollstuhlfechterin gefunden. Sie ist Autorin der “10 Knigge Tipps zum respektvollen Umgang mit behinderten Menschen“. Ihr Lieblingstipp: Die Behinderung ist nur ein Merkmal von vielen.
Daniel Schmidt, selbstständiger Unternehmer mit Schwerpunkt Sportkommunikation. Daniel ist zudem Fachkraft für Diversitätsmanagement (IHK) und engagiert sich als Ally der Initiative ‚Klischeefrei im Sport‘. Er beschreibt sich selbst so: Außen mag er vielleicht das Bild eines mittelalten weißen Mannes vermitteln, doch hinter der Kulisse trägt er viele unerwartete Facetten der sieben Vielfaltsdimensionen in sich.
Sichtbarkeit als Ausgangspunkt
Ausgangspunkt der Diskussion ist eine Kampagne der Deutschen Bahn. Während der Olympischen Spiele konnten Besitzer einer BahnCard Gold nach deutschen Goldmedaillen kostenlos Bahn fahren. Für die Paralympics war diese Aktion zunächst nicht vorgesehen (wurde jedoch am 4. März 2026 nachträglich ergänzt). Das wirft eine grundlegende Frage auf: Ist das nur schlechtes Marketing oder zeigt sich darin ein gesellschaftliches Verständnis von Leistung und Sichtbarkeit?
Para-Athlet:innen betreiben genauso Leistungssport wie olympische Athletinnen und Athleten. Dennoch sind die Paralympics historisch weniger sichtbar. Auch andere Wettbewerbe wie die Special Olympics oder die Deaflympics zeigen, dass Leistungssport in vielen Formen existiert, die gesellschaftlich oft weniger wahrgenommen werden.
Erste Veränderungen im System
Im Sport selbst hat sich bereits einiges bewegt. Olympische und Paralympische Spiele werden heute am selben Ort ausgetragen und auch die Medaillenprämien sind inzwischen gleich. Gleichzeitig zeigt sich, dass diese strukturellen Veränderungen gesellschaftlich noch nicht vollständig angekommen sind.
Gerade hier liegt jedoch ein großes Potenzial. Inklusive Wettbewerbe oder gemeinsame Meisterschaften können schon auf nationaler oder lokaler Ebene beginnen. Vielfalt und Barrierefreiheit müssen nicht nur bei großen Events stattfinden, sondern können/ sollten im Alltag von Sportvereinen sichtbar werden.
„Heute ist es selbstverständlich, dass wir uns für Olympische und Paralympische Spiele gemeinsam bewerben. In der Gesellschaft ist diese Gleichwertigkeit aber noch nicht überall angekommen. Gleichzeitig gibt es Sportarten, die bereits inklusive deutsche Meisterschaften veranstalten.“
Sportvereine als Zukunftsräume
Sportvereine sind mehr als Orte für Leistung. Sie sind soziale Räume, in denen Begegnung, Bewegung und Austausch stattfinden. Neben Wettkampf und Training gibt es auch Angebote wie Reha Sport, Projekte gegen Einsamkeit oder Bewegungsprogramme für unterschiedliche Zielgruppen.
Damit wird deutlich, dass Sportvereine bereits heute Funktionen übernehmen, die weit über den Sport hinausgehen. Sie verbinden Menschen, schaffen Gemeinschaft und können damit auch Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen geben.
“Ich nehme den Sport als unglaublich haltungsstabil wahr. Ich glaube, der Sport hat der freien Wirtschaft hier einiges voraus. Er kann nicht nur diversitätskritische Äußerungen aushalten, sondern trägt auch seinen demokratischen Anteil dazu bei, solche Strukturen zu stärken und zu halten.“
Transformation von unten
Ein wichtiger Schritt liegt oft in kleinen Veränderungen. Vereine können ihre Kommunikation hinterfragen, andere Bilder zeigen und neue Zielgruppen ansprechen. Häufig entstehen Barrieren im Kopf. Viele Menschen mit Behinderung wissen selbst sehr genau, welche Lösungen sie brauchen. Wenn Vereine einfach nachfragen, entstehen häufig unkomplizierte Wege zur Teilhabe.
Gerade darin zeigt sich das Zukunftspotenzial des Sports. Wenn Menschen zusammenkommen, gemeinsam trainieren und sich austauschen, entstehen Räume, in denen Vielfalt selbstverständlich wird.
Sport als Motor gesellschaftlicher Veränderung
Sport bringt Menschen zusammen, unabhängig von Herkunft, Alter oder Hintergrund. Besonders im Jugendsport zeigt sich, wie selbstverständlich gemeinsames Handeln funktionieren kann.
Sportvereine entstehen aus der gemeinsamen Leidenschaft für eine Sportart. Gleichzeitig entstehen dort Räume für Begegnung, demokratische Werte und gesellschaftliche Teilhabe. Genau darin liegt die Transformationskraft des Sports.