In der neuen Podcastfolge sprechen wir, Catharina Fischer und Anja Kirig, mal wieder zu zweit. Wir waren in Berlin, Wien und auf der Zugspitze, haben einige Veranstaltungen besucht und erzählen, was wir dort erlebt haben und welche Erfahrungen wir mitgenommen haben.
Wenn wir zu einer Veranstaltung eingeladen werden, bringen wir meist einen eigenen Beitrag ein. Gleichzeitig nehmen wir aber auch immer viel mit. Gerade das ist besonders wertvoll, weil es den Blick dafür schärft, wie aktuelle Themen diskutiert werden und welche unterschiedlichen Perspektiven die verschiedenen Akteure darauf haben.
VIR Innovationstage in Berlin: ein Rahmen, der die Zukunft in den Blick nimmt
Catharina hat Next Stop: Future bei den VIR Innovationstagen vertreten. Das Treffen der Online-Branche im Tourismus fand am 23. und 24 Juni in den Design Offices in Berlin statt. Eine klasse Location, in der es sich trotz Hitze gut aushalten ließ.
Ausgerichtet waren die Tage an der Vision 2030 und dem Titel “den Tourismus weiter denken”. Hier schließt sich der Kreis zum impulse4travel Manifest, an dem wir beide mitkonzipieren, denken und schreiben durften und bei dem der VIR einer der Mitinitiatoren ist. Gemeinsam mit Florian Bauhuber von Realizing Progress hat Catharina mit einer Keynote zum Manifest die Innovationstage eröffnet.
Die Bedeutung für die Online-Branche ist nicht sofort klar. Die Vision des Zukunfts und Lebensraumgestalters richtet sich auf den ersten Blick vor allem an Destinationen. Wer in der touristischen Wertschöpfungskette weiter vorne steht und Buchungen abwickelt, fühlt sich davon vielleicht zunächst nicht direkt angesprochen.
Zur digitalen Reisebranche gehören große Plattformen wie Booking und Expedia, ebenso wie kleinere OTAs, Versicherungen, Zahlungsdienstleister und Global Distribution Systems. Kurz gesagt: alles, was die Infrastruktur bereitstellt, damit Reisen online gebucht und sicher abgewickelt werden können.
Wo und zu welchem Preis ich buche, welche Angebote mir angezeigt werden, welche nicht und wie transparent Informationen aufbereitet sind: All das beeinflusst, wie Menschen reisen, wohin sie reisen und was sie vor Ort tun. Denn am Ende wird ein reales Produkt gebucht. Wenn dieses Produkt an Qualität verliert oder Destinationen wegbrechen, hilft auch die beste Technologie nicht weiter.
Deshalb ist unser klarer Standpunkt und unsere Zukunftsprognose: Alle Akteure der Branche haben Einfluss darauf, wie dieses Produkt in zehn Jahren noch funktionieren und attraktiv bleiben kann.
Österreichischer Tourismustag: Produkte neu erzählen
Eine Woche zuvor war Anja in Wien und hat gemeinsam mit Florian Bauhuber auf dem Österreichischen Tourismustag ein Inspiration Lab gestaltet. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie touristische Produkte neu erzählt werden können, insbesondere mit Blick auf den Ganzjahrestourismus.
Der klassische Sommer oder Winterurlaub lässt sich heute nicht mehr so vermarkten und verkaufen wie früher. Dafür gibt es äußere Faktoren wie Hitze und Schneemangel, aber auch innere Veränderungen, weil Menschen heute andere Erwartungen an das Reisen haben.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie entsteht Relevanz? Zum Beispiel über Themen, die konkrete Bedürfnisse ansprechen, etwa Gesundheit, Longevity, Erholung oder Entschleunigung.
Im anschließenden Panel berichteten Sepp Schweiger von der Eder Collection und Thomas Michor vom Weissensee, wie stark sie in ihrer Arbeit auf Emotionen setzen. Eine Mentimeter Umfrage zeigte, dass das Gespür für Trends grundsätzlich vorhanden ist. Was häufig fehlt, ist die Übersetzung in konkrete Angebote und Produkte.
Deutlich wurde auch, dass Ganzjahrestourismus nur mit kooperativem Denken und einer passenden Infrastruktur gelingen kann.
Alpenklimagipfel: vom Wissen ins Handeln
Der AlpenKlimaGipfel fand 2026 bereits zum dritten Mal statt, auf der Zugspitze, als Wissenschafts- und Praxispanel. Im Fokus stand, wie man ins Tun kommt. Ich durfte im Auftaktpanel zusammen mit Marc Zebisch von Eurac Research, Mark Olefs von Geosphere Austria, Michael Lehning aus der Schnee- und Lawinenforschung und Katharina Zwettler vom Klimabeirat der Alpenkonvention über “Klimasystem am Kipppunkt: wie wir die Zukunft des Alpenraums aktiv gestalten” diskutieren.
Das Resümee: Wir haben unglaublich viel Daten, wir wissen eigentlich ganz viel. Die Frage ist, wie wir ins Handeln kommen.
Nicht Unwissenheit blockiert uns, es sind strukturelle Muster. Es braucht nicht nur bottom up oder top down, sondern beides, und es braucht Sichtbarkeit und erlebte Selbstwirksamkeit.
Alle Diskussionen und Impulse des AlpenKlimaGipfels 2026 sind aufgezeichnet worden und lassen sich hier anschauen.
Hört rein
Es waren Themen dabei, die viele umtreiben, nicht nur in der Tourismusbranche. Schreibt uns gerne, kommentiert, stellt Fragen.
In der nächsten Folge sprechen wir über Agency und Handlungsmacht im Tourismus. Wenn ihr Zukunft nicht nur analysieren, sondern gemeinsam gestalten wollt, kommt gerne auf uns zu.